Chronik des KGV Gelsenkirchen Süd e.V.




Wie alles begann.........


Protokoll der Konstitutions-Versammlung des Gartenbauvereins Gelsenkirchen, Ortsgruppe Neustadt am 30. September 1923:


Der Arbeitsausschuß der Kleingärtner d. städt. Ländereien in der Allee (Neustadt) hatte am 30. Sept. 1923 auf dem Berger´schen Gutshof (Haus Leithe) eine Versammlung der Pächter einberufen. Zunächst erhielt der 2. Vorsitzende des Vereins Alt-Gelsenk. das Wort zur Begründung der Zwecke usw. eines Gartenbauvereins. Nachdem der Herr seinen recht belehrenden Vortrag beendet, wurde den Pächtern ein Entwurf der Satzungen zur Kenntnisnahme vorgelegt und die Pächter aufgefordert, ihre Namen in die bereitliegenden Listen einzutragen, um auf diese Weise die Ortsgruppe Neustadt ins Leben zu rufen. Diesem Ansinnen folgten sofort 84 Pächter, sodass hiermit der Verein gegründet war. Auf die Frage des Versammlungsleiters betr. Wahl eines Vorstandes wurde beschlossen, daß der Arbeitsausschuß einstweilen die Geschäfte des Vorstandes besorgen solle. Ferner wurde beschlossen, als Erntedankopfer von jedem Pächter einen kleinen Teil, was gut zu erübrigen sei, von den Gartenfrüchten zu sammeln und diese Sammlung zur Hälfte der evang. u. die andere Hälfe der kath. Gemeindeschwester zu überweisen zur Verteilung an die Armen u. Bedürftigen der Neustadt. Nachdem noch verschiedene Missstände unter den Pächtern gerügt u. die Karten für die auszuführenden Wachen zur Verhütung von Gartendiebstählen verteilt waren, wurde die Versammlung geschlossen.


Gelsenkirchen, Neustadt den 30. Sept. 1923
gez. I.A.C. Menne sen.




Überblick über die Geschichte des Vereins:

(überarbeitete Fassung aus der Festschrift zum 50-jährigen Bestehen August/September 1973)

Der Verein wurde am 30. Sept. 1923 gegründet. Das aufgenommene Protokoll gibt uns über den Akt Bericht. Schon vor diesem Zeitpunkt bestand eine Arbeitsgemeinschaft von Pächtern und Unterpächtern. Man sah sich nämlich bedroht, von Dieben, zum Teil oder ganz, um den Erfolg gebracht zu werden. Deshalb vereinigte man sich zur gemeinsamen Abwehr. Sie stellten sich abends bei ihren Gärten hin, um in der Nacht zu wachen. Aus diesen "Arbeitsgemeinschaften" ist der Verein entstanden. Dies ist aber nur eine Wurzel. Eine andere führt uns zurück in die Not des Krieges. Als in jener Zeit der Not, Mangel an allem war, wiesen die Behörden auf sorgfältige Bearbeitung von Grundstücken hin. In manchem Bürger wachte die Erinnerung an die Landarbeit, die er in der Jugend hatte üben müssen, wieder auf und alsbald wurde die Nachfrage nach Gartengelände groß und größer. Noch eins: schon immer hat es in der Neustadt umsichtige und fleißige Leute gegeben. Sie suchten ein Wohnung mit Stall und hielten darin eine Hippe, die Bergmannskuh, oder ein Schweinchen, vielleicht ein paar Hühner oder auch ein Kaninchen. Die Tiere brachten das Bedürfnis nach Grün und damit das Begehren nach Ackerland. Dieses wurde ihnen vom Pächter des Gutes Leithe pachtweise überlassen. An der Ostgrenze dieses Geländes lag zwar eine Gärtnerei, aber weiter gen Westen in der Nähe des Mühlen-Bachs und der Ackerstraße wurden doch Parzellen in der Größe bis zu 100 Ruten abgegeben. Die Pächter waren es nun, die in der Not des Krieges um Land angegangen wurden. Zum Teil waren sie im Felde und konnten weder Tier noch Acker betreuen. So freuten sie sich, wenn sie Abnehmer fanden. Zum Teil freilich, setzte auch hier die Spekulation ein. Es gab Elemente, welche die Gelegenheit wahrnahmen, um kleine Teile (von 5 Ruten an) zu Preisen abgaben, die man nie erfahren hat. Aus dem abgegebenen Land machten sie sich nicht nur bezahlt, sondern sie wussten auch noch anderen Vorteil zu finden. Hatte nämlich dieser Abnehmer, der Unterpächter, sein Stückchen mit Dünger fein angefügt, dann kam der Herr Oberpächter und sagte: "Du musst jetzt dein Stückchen mal anderwärts nehmen, dieses möchte ich selber haben." Die dritte Wurzel endlich, ist die, dass man allmählich auch Kunde erhielt von den Schreber- und Kleingärten im Reich. Wie immer in solchen Fällen waren es einige Vorkämpfer, andere folgten. Es war das alte Lied: Die Not weckte das Bedürfnis, und als der rechte Mann zu rechter Zeit kam, wurde auch der Weg gefunden eine Idee zur Tat zu gestalten. Freilich lagen nach der Gründung des Vereins am 30. Sept. 1923 die Sachen für unseren Verein recht wirr durcheinander. Herr Berger, der Pächter des Gutes Leithe, war gestorben und seine Witwe führte die Wirtschaft weiter. Pächter, die seit Jahren von hier Land in Pacht erhalten hatten, sahen nicht ein, warum sie den Vereinsbeitrag zahlen sollten. Auch Frau Berger fühlte sich nicht sicher. Der Verein schloss einen Vertrag mit ihr, dem gemäß sie das betroffene Grundstück dem Verein überließ. 10 % aller Einnahmen an Pacht sollten ihr verbleiben. Wenige Tage darauf zog Frau Berger sich vom Vertrag zurück und nun setzte ein Wirrwarr ein, der den Verein an die Grenze der Auflösung brachte. Frau Berger handelte nach wie vor ganz selbständig und gab jedem Land, der ihr genehm war. Der Verein, der Vorstand, war zur Ohnmacht verurteilt. Im Laufe des Frühjahrs und des Sommers 1924 suchte nun der Verein Verbindung mit dem Provinzial Gartenverband in Bochum. Auch bildete sich ein Zusammenschluss aller Vereine in der Stadt zum Stadtverband. Vor hier aus kam Hilfe. Unter Hinweis auf das Kleingartengesetz wurde nunmehr die Stadtverwaltung gebeten, das Gartengelände dem Verein zu übertragen. Dies konnte um so eher geschehen, als die Gemeinnützigkeit des Vereins zunächst anerkannt worden war. Um klar zu sein, ging die Politik des Vereins diesen Weg:
-Anschluss an stärkere Verbände (übergeordnete Organisationen), die berieten nun
-Antrag auf Anerkennung der Gemeinnützigkeit.
Als dieser erfolgt war, ging wendend auf Grund des Kleingartengesetzes der Antrag auf Überlassung des Gartengeländes an die Stadt.
Die Stadt hat sich in Folge dessen genötigt, sich mit der Frau Berger abzufinden und wir erhielten freie Hand, unser Grundstück aufzuteilen und entsprechend den sozialen Gesichtspunkten zu verteilen. Danach ………….(Anhang zur Chronik)
Mehr noch als nach dem ersten Weltkrieg, wurde nach dem zweiten Weltkrieg der Kleingarten eine große Hilfe, den damals kargen Mittagstisch zu bereichern. Glücklich konnten sich diejenigen schätzen, die einen Kleingarten besaßen. Die kleinen Lauben und Büdchen wurden Notunterkünfte. Aus den Trümmern der Häuser wurde alles nur Brauchbare herangeschleppt und Behelfswohnheime gebaut. Selbst die Stadt hatte nichts dagegen und gab sogar Baugenehmigungen. Sie war froh, die Menschen beschäftigt und das Wohnungsamt entlastet zu haben. Zu dieser Zeit wohnten ca. 100 Kleingärtner in unserer Anlage. Zu unserem Verein gehörten über 400 Kleingärten. Zwischen Wiehagen, Bokermühlstraße und Hattinger Straße, heute bebaut mit Häusern, Kindergarten und Schule, lag damals der Schwerpunkt unseres Vereinslebens, das Altgelände, die Urzelle des Kleingartenvereins Gelsenkirchen-Süd. Da die Nachfrage nach Kleingärten immer stärker wurde, pachtete unser Verein weitere Gelände, so das heutige Rheinelbegelände, das Dauergelände, den Voßgraben und das Weindorfgelände. Wieder war es der Kleingärtner, der in mühevoller Kleinarbeit, das Land kultivierte. Aus Moor, Wiesen und Tümpeln, schuf er wertvolles Gartenland. In der heutigen Zeit, wird immer wieder versucht, unsere Gartenanlagen anzuknabbern. Anfang der 50iger Jahre mussten wir für den Bau der Häuser an der Malteser und Johanniter Straße, einen Großteil unseres Altgeländes, dem Gründungsgelände, abgeben. 16 Gärten blieben erhalten. Viele dieser planverdrängten Vereinskameraden kannten in unseren anderen Geländen untergebracht werden. Der andere Teil gab auf. Um Kontakt zwischen den Gartenfreunden zu pflegen, wurde fast jährlich ein Gartenfest und ein Erntedankfest gefeiert. Eine Frauengruppe und eine Jugendgruppe wurde gegründet. Da wir zu dieser Zeit noch kein Vereinsheim besaßen, fanden die Zusammenkünfte im kath. Gemeindehaus Stolzestrasse statt. Jahr für Jahr wurde weiter geschaffen und so können wir mit Stolz heute zwei Vereinsheime, einen schönen Festplatz mit Betontanzfläche usw. vorweisen. Heute ist der KGV Gelsenkirchen-Süd e.V. der größte Verein im Stadtverband Gelsenkirchen. Die Anlage besteht aus 5 Geländeteilen mit insgesamt 274 Kleingärten. Es entfallen auf:
das Weindorfgelände 94 Kleingärten,
hier gibt es auch das Vereinsheim "Zum Rosengarten",
das Dauergelände 75 Kleingärten,
mit dem kleinen Vereinsheim, großer Festwiese mit Tanzfläche und einem Ökogarten,
den Voßgraben 55 Kleingärten,
das Rheinelbegelände 28 Kleingärten
und zum Schluß auf das Schwarzbachgelände 22 Kleingärten.